"Mendelssohn Bartholdy"
Ein-Blicke in die Lebensgeschichte
Es gab mehrdimensionale Beziehungen zwischen Eduard Wilsing und Felix Mendelssohn Bartholdy. Diese bestanden unabhängig von der Wertschätzung des Werkes von Johann Sebastian Bach. Durch die Befassung mit den Stammfolge der "Mendelssohns" wurden die beiden Hauptstämme (Jever, Frankfurt/Berlin) erkennbar und die Bezüge die sich durch die Ehefrau von Eduard Wilsing , Clara Wilsing, geborene Hitzig, ergab und auch zu seinem Schüler und späteren Vertrauten Arnold Mendelssohn führten. Es wurde aber auch erkennbar welche Lebenslage mit dazu beigetragen haben kann, dass Abraham und Lea Mendelssohn, geborene Itzig/später Hitzig, ihre Kinder 1816 lutherisch taufen ließen und für die ganze Familie zu diesem Zeitpunkt der Beinamen "Bartholdy" (ohne Bindestrich) dem Namen Mendelssohn beigefügt wurde. Wobei hinter der Erkenntnis, dass der Beiname "Bartholdy" einen Bezug zur der Familie Itzig/Hitzig erkennbar wurde, dass Daniel Itzig für die Familie Mendelssohn von zentraler Bedeutung war. Er hat u.a. dadurch, dass der Sohn Wilhelm Friedemann Bach, der älteste Sohn von Johann Sebastian Bach und seiner ersten Frau Maria Barbara, alle 15 Kinder der Familie unterrichtete, für sie nicht nur den Zugang zur Musik geschaffen, sondern auch die Vertrautheit mit Bachwerken ermöglicht und ihr Engagement zum Erhalt seiner Werke nachhaltig gefördert.
Das Bemühen um die Sicherung und Weiterentwicklung des Werkes von Johann Sebastian Bach ergab sich auch dadurch, dass Beide über Vorfahren Zugänge zu seinen Werken erhielten. Eduard Wilsing stand eine Abschriftensammlung seines Urgroßvaters (mütterlicherseits) Johann Gottlieb Preller zur Verfügung. Fanny und Felix fanden über ihre Mutter Lea sowie über die Großmutter Bella Salomon und Großtante Sarah Levy, die über den Unterricht bei seinem Sohn Wilhelm Friedemann "Bach" kennengelernt hatten und Bachwerken sammelten und Abschriften erstellen ließen, einen außergewöhnlichen Zugang.
So erhielt Felix zum Beispiel eine Abschrift der Partitur der Matthäus-Passion zum 15. Geburtstag mit der Bitte um eine Aufführung durch seine Großmutter geschenkt. Bella Salomon wie auch ihre Schwester Sarah Levy, stammten aus der Familie Itzig, zu der auch die Ehefrau von Eduard Wilsing gehörte.
Neben der Erstellung eines Klavierauszuges für die erste vollständige Wiederaufführung des Weihnachtsoratorium in der Berliner Singakademie am 17.12.1857, hatte auch Eduard Wilsing mit Klavierauszügen für Aufführungen der Matthäus-Passion nach dem Tode von Felix Mendelssohn Bartholdy, als das Werk immer weniger aufgeführt wurde, die Voraussetzungen für Aufführungen in Wien, Paris und London geschaffen. Damit hatte der dazu beigetragen, dass das Werk wieder populärer wurde und nicht in Vergessenheit geriet.
Insofern ist es nicht angemessen, ausschließlich Felix Mendelssohn Bartholdy zuzuschreiben, dass er die Bach-Renaissance eingeläutet habe. Das ist eher ein gern gepflegter Mythos, der eher darauf beruht, dass dem Wirken und der gesellschaftlichen Bedeutung der Familie Mendelssohn Bartholdy eine große Aufmerksamkeit gewidmet wurde und die Angehörigen außergewöhnlich gute Lern- und Lebensbedingungen hatten.
Ausführlicherer Beschreibungen auch zu den Beziehungen zu Fanny und Felix Mendelssohn Bartholdy erfolgen in der Kommentierten Chronologie und der Veröffentlichung
"Dortmund - eine Bachstadt".
Die nachfolgenden Beiträge gehen auf einzelne Aspekte ein, durch die sich bedeutsam erscheinende Zusammenhänge ein.
Zur Beziehung Wilsing - Itzig/Hitzig - Mendelssohn Bartholdy
Eduard Wilsing stand in Berlin mit vielen bedeutenden Persönlichkeiten in Kontakt. Durch die Ehe mit Clara Hitzig entstanden auch verwandtschaftlichen Beziehung mit der Familie Mendelssohn Bartholdy.
Eine ausführliche Übersicht zu den Beziehungen Wilsing-Preller-Mendelssohn Bartholdy-Itzig/Hitzig steht hier zur Verfügung.
Wieso "Mendelssohn Bartholdy" ?
Zu der Identität der Kinder der Eheleute Arnold und Lea Mendelssohn, die gemeinsam bei der Taufe der Kinder im Jahr 1816 den Beinamen Bartholdy (ohne Bindestrich) annahmen, gehört zum Beispiel für Felix der Bezeichnung "Felix Mendelssohn Bartholdy".
Er hat dies in mehr als 1.600 Dokumenten mit seiner Unterschrift so zum Ausdruck gebracht und damit seine persönliche Identität betont, die auf jüdischen Wurzeln basiert und eine protestantischen Spiritualität beinhaltet.
Eine heute häufig anzutreffende Verkürzung auf "Mendelssohn" stellt nur einen Bezug zu dem jüdischen Ursprung der Familie her. Damit wird aber nicht tatsächliche Selbstverständnis deutlich, das mit der Namenswahl ausgedrückt wurde. Zudem verdrängt es die Bedeutung zumindest eines anderen bedeutenden Komponisten und Musikers aus dem Stamm der Familie Mendelssohn der ebenfalls, u.a. mit der Wiederbelegung des Werkes von Heinrich Schütz Bedeutendes geleistet hat: Arnold Mendelssohn, Schüler und Vertrauter von Eduard Wilsing.
Die Motette "Jauchzet dem Herrn alle Welt", Psalm 100 -Ein Zugang zu Felix Mendelssohn Bartholdy
Im Zusammenhang mit der Vorbereitung des bekanntesten a capella -Werkes von Felix Mendelssohn Bartholdy, MWV B 45: "Jauchzet dem Herrn alle Welt" ergaben sich unter Einbeziehung der gesellschaftlichen Situation im Jahr 1844, dem Zeitpunkt der Komposition, und der Lebensgeschichte vielfältige neue "Aspekte".
Beispiel einer Aufführung durch den Kammerchor Stuttgart - hier
Zur Geschichte der Familie Mendelssohn – Mendelssohn Bartholdy
Auszug aus der Kommentierten Chronologie
"Die Stammfolge Mendelssohn Bartholdy geht auf Mendel Heymann (1683–1766) Toraschreiber in Dessau, zurück. Mit dem 14- oder 15jährigen Moses Mendelssohn, der im Herbst 1743 von Dessau nach Berlin wanderte und die halbe Stadt umrunden musste, um durch das einzige für Juden passierbare Tor in die preußische Residenz zu kommen, begann der Anfang einer bedeutenden Familiengeschichte, die u.a. auch zu Felix Mendelssohn Bartholdy führte. ....."
Bach-Renaissance
Entgegen der landläufigen Auffassung, dass die Bach-Renaissance vor allem durch Felix Mendelssohn Bartholdy zustande kam, stellte sich heraus, dass er auf Vorarbeiten aus der Familie seiner Mutter aufbauen konnte.
Das wird auch graphisch in der Stammfolgen-Übersicht deutlich.
Lebensorte und ihre Bedeutung für die Identität der Familie
Mendelssohn Bartholdy
Bei der Befassung mit den Lebensorten der Familie von Felix, die 1811 von Hamburg nach Berlin zog, wird ihre Identität und ihr musikalisches und gesellschaftliches Wirken erkennbar. Das Quellenstudium führte dabei unter anderem zu der Feststellung, dass die Kinder der Familie in ihrer Wohnung getauft wurden in dessen Haus sie gemeinsam lebten, und zu vielen bedeutsamen Zusammenhängen.
Berliner Stadtplan 1811 - mit Lebensorten
Die "Quellen" der Entwicklung
Daniel Itzig (1723-1799) und Bella Salomon, geb. Bilka Itzig (1749-1824) sind von besonderer Bedeutung für das Leben und Wirken aller Beteiligter der Familie Mendelssohn Bartholdy und auch für Eduard Wilsing, deren Frau aus der Familie Itzig stammt, die sich seit 1808 Hitzig nannte.
Daniel Itzig, u.a. der bedeutendste Bankier Preußens, ermöglichte seinen 15 Kindern eine außergewöhnliche Ausbildung. So war der älteste Sohn von Johann Sebastian Bach, Wilhelm Friedemann Bach, der Musiklehrer und Moses Mendelssohn unterrichtete sie in Philosophie.
Zu den Kindern gehörte auch Bella, ihre Schwestern Sarah Levy
und Franziska (Fanny) von Arnstein.
Sarah führte über ein halbes Jahrhundert einen musikalischen Salon in Berlin, in dem die Komponisten der Zeit verkehrten, Bachwerke gesammelt und gespielt wurden. Franziska und ihre Familien beherbergten in Wien Mozart und förderten Haydn und Beethoven. Bella Salomon, deren Tochter Lea Mendelssohn Bartholdy, die die Mutter der vier Kinder Felix, Fanny, Rebecka und Paul war, förderte auch die musikalische Entwicklung ihrer Enkel, in dem sie es war, die Felix den Zugang zu der Matthäus-Passion erleichterte, indem sie ihm zum 15. Geburtstag eine Kopie der Partitur mit der Bitte um eine Aufführung schenkte.
Die umfängliche Förderung wurde vor allem durch die von David Itzig geschaffene finanzielle Grundlage erreicht und kam den Beteiligten zu Lebzeiten durch passende Lebensumstände und nach deren Tod durch Erbschaften zugute.
So stellte sich bei der Befassung mit dem Testament (für die Kinder) und der eingerichteten Familienstiftung (vor allem für die Enkelkinder) von Daniel Itzig und dem Testament von Bella Salomon ein Eindruck davon, in welchem Umfang die Mitglieder der Familie Mendelssohn Bartholdy, die selber über eigenes Einkommen verfügte, zusätzlich gefördert wurde. Ebenso wurde erkennbar, in welchem Umfang der Vater der Ehefrau von Eduard Wilsing als Enkel Zuweisungen aus dem Testament und der Familienstiftung erhalten hatte.
Der Anteil von Lea Mendelssohn Bartholdy aus dem Testament von Daniel Itzig betrug
20.000 Thaler - umgerechnet in Kaufkraftäquivalente 2026 rd. 171.000 Euro
Nach dem Testament von Bella Salomon erhielten
die Kinder der Familie Mendelssohn Bartholdy
40.640 Thaler - umgerechnet in Kaufkraftäquivalenten 2026 rd. 2.100.000 Euro.
Der Vater von Clara Hitzig, Moses Hitzig, erhielt aus dem Testament
40.000 Thaler - umgerechnet in Kaufkraftäquivalenten 2026 rd. 1.710.000 Euro
und aus der Stiftung zunächst und - je nach weiterer Entwicklung - fortlaufend
8.000 Thaler - umgerechnet in Kaufkraftäquivalenten 2026 rd. 342.000 Euro.
(Es kann daher angenommen werden, dass auch Eduard Wilsing nach der Heirat mit Clara Hitzig im Jahr 1855 die finanzielle Situation "miterlebt" hat.)
Berechnung zum Nachlass von Daniel Itzig
Berechnung zum Nachlass von Bella Salomon