Briefe von Eduard Wilsing an Arnold Mendelssohn

 Eduard Wilsing kannte Arnold Mendelssohn seit dessen Geburt, zumal eine verwandtschaftliche und Jugendfreundschaft seiner Frau Clara zu seiner Großmutter bestand.
Arnold Mendelssohn bezeichnete Eduard Wilsing als seinen bedeutendsten Lehrer. Er führte die ersten beiden Teile des Oratoriums "Jesus Christus" auf, wollte auch das gesamt Werk in Köln aufführen. Die dem Oratorium von Wilsing zugrunde gelegten und selbst erstellten Texte veröffentlichte er in einem Beitrag, zumal daran Theologen wegen des außergewöhnlichen Ansatzes interessiert waren. 
Er beschrieb die Eigenarten und Werke von Eduard Wilsing durchaus auch kritisch warb jedoch auf dem 14. Deutschen Bachfest am 2.10.1926 mit dem Vortag:

„Ein vergessener Kirchenmusiker des 19. Jahrhunderts, Fd. Ed. Wilsing De profundis und seine Aufführung in der Berliner Singakademie“. 

für dessen Werk:

„Ich bin überzeugt, dass ein wirkliche wertvolles Kunstwerk irgendwann einmal seinen Siegeszug erlebt.“ 


Die intensive persönliche Beziehung zwischen Eduard Wilsing und der Familie ist daran zu erkennen, dass ihm im Jahr 1890, er war inzwischen 81 Jahre alt, die Patenschaft für die Tochter Dorothea angeboten wird, die er annimmt.

(Auszug aus der Stammfolge,
die auch die verwandtschaftliche Beziehung zwischen Eduard Wilsing und Arnold Mendelssohn darstellt.)

Brief vom 26.10.1880

 Es ist davon auszugehen, dass dies nicht die erste Korrespondenz zwischen Eduard Wilsing und Arnold Mendelssohn war. Eduard Wilsing antwortete mit sehr persönlichen Worten kurzfristig auf einen Brief mit Anlagen vom Oktober 1880. Er dankte für den Geburtstagsgruß und ging sehr ausführlich, kritisch-konstruktiv auf eine Liedkomposition von Mendelssohn ein. 
Die von A. Mendelssohn wohl erbetene Rückmeldung zeugt von einer großen Wertschätzung und Vertrautheit, zumal Arnold Mendelssohn zu diesem Zeitpunkt nach Abschluss der Ausbildung an der Berliner Musikhochschule bereits eine Stelle in Bonn angetreten und auch einen Lehrauftrag für Musiktheorie an der Uni Bonn angenommen hatte. 

Brief vom 19.2.1889

 Mit dem Brief wurde erkennbar, dass Eduard Wilsing von der Absicht erfahren hatte, dass Arnold Mendelssohn bereits einen Abschnitt den beiden ersten Teilen des Oratoriums "Jesus Christus" vor der Erstaufführung am 22.6.1889 für einen kleineren Kreis präsentieren wollten. Er war überrascht, dass das bereits erfolgt ist.  

Dies Aufführung muss für Besuchende so beeindruckend gewesen sein, dass theologisch interessierte Freunde Arnold Mendelssohn anregten, den Text des Oratoriums in dem Evangelischen Kirchenblatt für Rheinland und Westfalen abzudrucken. Eduard Wilsing äußert sein Interesse, über eine entsprechende Veröffentlichung informiert zu werden. 
Er dankte Arnold Mendelssohn für dessen „theilnehmenden Bemühungen“ und verwies darauf, dass er an der Bearbeitung des 3. Teils arbeite. 
Dieser Teil wurde im Jahr 1890 von ihm fertig gestellt.


Brief vom 8.6.1889

Im Vorfeld der Aufführung der ersten beiden Teile des Oratoriums am 22.6.1889 in der Beethoven-Halle in Bonn übersandte Eduard Wilsing an Arnold Mendelssohn auf dessen Bitte hin den Text des 3. Teils des Oratoriums „Jesus Christus“ und machte deutlich, dass er an Rückmeldungen über die Wirkung der Aufführung interessiert sei. 
Teil 1: „Der Weg des Heils“ 
Teil 2: „Die Erlösung“ 
Teil 3 : „Die Vollendung“


Brief vom 9.6.1889

 Im Nachgang zu seinem Schreiben vom Vortag (8.6.1889) mit dem Eduard Wilsing Arnold Mendelssohn den Text des 3. Teils des Oratoriums („Die Vollendung“) auf dessen Wunsch hin zugesandt hatte, drückt er seinen Dank für dessen Bemühungen mit der Übersendung eines Bildes der heiligen Cäcilie von Carlo Dolce aus. Die Heilige Cäcilie aus Rom wird als Schutzpatronin der Kirchenmusik angesehen, zumal ihr Attribut die Orgel ist. 



Brief vom 3.5.1890

 Eduard Wilsing bedankte sich für das Schreiben vom 30.4.1890 und das Angebot zu Übernahme der ihn „hoch ehrende Patenschaft“ für das am 12.4.1890 geborene Kind Dorothea.  Er nahm diese Aufgabe an und wünschte, dass Dorothea unter dem Schutze des Himmels wachsen und gedeihen möge und die Eltern ungetrübte Freude haben.  
 

(Dass Eduard Wilsing um die Übernahme der Patenschaft gebeten wurde, erscheint als umso bedeutender, da zu diesem Zeitpunkt 4 Kinder an Hirnhautentzündung gestorben waren und erst vor 3 Monaten (20.1.1890) der 4 Monate alt gewordene Sohn Wilhelm verstarb. Dorothea war das einzige Kind, das 48 Jahre alt wurde.)


Eduard Wilsing bat Arnold, Grüße an seine Mutter, die Jugendfreundin seiner Frau Clara, die Schwester Louise, die bei der Aufführung der ersten beiden Teile des Oratoriums als Sopranistin mitgewirkt hatte, den Bonner Gesangsverein und einen Pfarrer auszurichten.  

Er wies darauf hin, dass er sich aktuell mit dem Schlusschor des 3 Teils des Oratoriums „Jesus Christus“ befasst. 



Brief vom 14.9.1890

 Eduard Wilsing wies in dem Brief auf den Abschluss der Arbeiten am dem 3. Teils des Oratoriums „Jesus Christus“ hin und kündigte an, dass Arnold Mendelssohn diese Fassung in Kürze in der Hand habe würde. Er bat um dessen Rückmeldung zu diesem Teil des Gesamtwerkes.  Er betonte, dass er sich kaum zurückhalten könne, sich einer neuen Herausforderung zu stellen. Er habe ungebrochenen Mut, trotz des Alters, schwierige und wichtige Dinge mit Lust und Liebe zu unternehmen. Das lange geplante „Te Deum“ will er beginnen. In seinen Grüßen zum Abschluss des Briefes ging er auf sein Patenkind Dorothea (inzwischen 5 Monate alt) ein.


Brief vom 25.9.1891

 

In dem letzten bekannten Brief an Arnold Mendelssohn wurde deutlich, dass Eduard Wilsing die ausführliche Konzertbesprechung zur Uraufführung des Oratoriums "Jesus Christus", die am 19.4.1891 in der Christuskirche stattgfunden hat,  im „Märkischen Sprecher“ vom 23.4.1891 erhalten hatte. 
Er schrieb: „Die Bochumer Aufführung ist ja zu meiner Genugthung recht befriedigend ausgefallen. …. Auch der Direktor des Bochumer Gesangsvereins, Herr Groß-Weischede“, ….. lobte und rühmte das Oratorium in so außerordentlicher Weise, dass ich mich wirklich ganz beschähmt fühlte.“

Zudem ging er  auf persönliche und berufliche Herausforderungen des Adressaten ein.  „Vertrauensvoll“ teile er mit, dass die Vermutung bpm Arnold Mendelssohn zutreffend sei, dass er nicht das Te Deum mit dem lateinischen Text für eine neues Werke gewählt habe, wie zunächst in dem Brief vom 14.9.1890 angekündigte, sondern „wieder“ an einem Oratorium arbeite, dessen wesentlicher Inhalt
 „Gott allein die Ehre“ sei. 

 Die 3 Abteilungen hätten folgende Überschriften: 
1. Gott und die Welt 
2. Gott und der Mensch

3. Der Dreieinige 

 

 Eduard Wilsings Information darüber, dass er nach der ausführlichen und gründlichen Arbeit an dem Oratorium „Jesus Christus“, dessen Uraufführung erst 5 Monate zurückliegt, bereits an einem neuen, nicht minder komplexen Werk arbeitet, erscheint als ein Beleg dafür, dass er tatsächlich intensiv tätig war, auch wenn dies nicht „öffentlich“ wahrgenommen wurde. Es ist aber auch ein Beleg darfür, dass anderslautende Behauptungen, die ihm Untätigkeit vorhalten, nicht begründet sind. Dazu zählt u.a. die Ausführung in der Fassung in Wikipedia, Stand: 16.4.2023, dass Eduard Wilsing nach dem im Jahr 1853 fertiggestellten Oratorium De Profundis durch eine schwere geistige Erkrankung und eine Menschenscheu am weiteren Komponieren hindert wurde.

Die beiden Abschlusssätze deuten darauf hin, dass Eduard Wilsing durchaus seine Endlichkeit vor Augen hat, aber an dem Leben weiterhin teilnehmen will, in dem er an weiteren Nachrichten von Arnold Mendelssohn interessiert ist. 
Er schrieb:

"Meinen allerherzlichsten Gruß deiner Frau,  und du, lieber Arnold, halte mich in gutem 

Gedächtnis, wie ich mich deiner stets dankbar erinnern werde. 

Schließlich füge ich noch die Bitte hinzu, recht bald wieder etwas von dir hören zu lassen. – Lebe Wohl! – In alter Treue

Dein Fr. Ed. Wilsing"

Eduard Wilsing starb am 2.5.1893.


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