Schumann-Briefedition
Auszugsweise wird an dieser Stelle auf Briefe aufmerksam gemacht, die im Zusammenhang mit dem Leben und Werk von Eduard Wilsing von Bedeutung sind.
Bei der Schumann-Briefedition handelt es sich um die erste Gesamtausgabe der Korrespondenz von Robert und Clara Schumann. Sie reicht von Liebesbriefen bis zur Geschäftsnotiz, von Nachrichten aus dem europäischen Musikleben bis zu Berichten über den Entwicklungsweg der Kinder, von Zuschriften mit Artikeln für Robert Schumanns „Neue Zeitschrift für Musik“ bis zu Details von Vertragsverhandlungen. Sie umfasst etwa 13.000 Briefe. Dieses Projekt wurde in Verantwortung des Robert-Schumann-Hauses Zwickau und dem Institut für Musikwissenschaft der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden mit der Robert-Schumann-Forschungsstelle in Düsseldorf getragen. Die Veröffentlichung der Edition erfolgte im Verlag Dohr, Köln.
Editionsplan
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Freitag, 16.8.1838
Max Bisping (Büren) an Robert Schumann (Zwickau)
In dem Schreiben wendet sich vermutlich noch während seiner Tätigkeit am „Seminar-Hilfsmusiklehrer“ am Lehrerseminar in Büren an Robert Schumann mit der Bitte, eine Rezension zu einer Musikalienneuerscheinung von Wilhelm Attern in die Neue Zeitschrift für Musik aufzunehmen. (Es gibt einen Veröffentlichungshinweis und auch der Brief von Bisping wurde nicht weitergehend erfasst.)
In dem Einführung zu dem Brief wird auf erstmals unter Bezug auf eine Veröffentlichung von Carlo Schmidl in dem "Universal Lexikon der Musiker", Mailand 1937, darauf aufmerksam gemacht, dass eine Freundschaft zwischen Max Bisping und Eduard Wilsing ab dem Jahr 1829 entstanden ist. Max Bisping aus Fröndenberg besuchte als 12jähriger ab 1829 an das Gymnasium in Wesel, an dem Eduard Wilsing (19 Jahre alt), da er erst im Juli die Stelle des Organisten antreten konnte, als Gesangslehrer tätig war und wahrscheinlich auf Vermittlung durch seinen Förderer, den Schulleiter Prof. Ludwig Bischoff, auch Bisping Klavierunterricht gab. Dass sowohl Max Bisping und Eduard Wilsing in Wesel zusammentragen dürfte auf die Bemühungen von Ludwig Natorp zurück gehen, der in vielfältiger Weise mit den beiden Familien, als auch ehemaliger Schüler des Gymnasiums war und mit dem Leiter Prof. Ludwig Bischoff im Kontakt stand.
Brief mit Erläuterungen
Freitag, 18.2.1853
Hermann Krigar (Berlin) an Robert Schumann (Düsseldorf)
Hermann Krigar übersendet mit dem Schreiben die von seinem Freund Eduard Wilsing kürzlich veröffentlichte Psalmvertonung "De profundis" in der Hoffnung auf eine Veröffentlichung einer Rezension in der „Zeitschrift für Musik“ und bittet um eine Rückmeldung. Er betont, dass dabei, dass Eduard Wilsing nicht derjenige sei, der selber für sein Werk werben würde, was zu seinen Eigentümlichkeiten gehöre. Er würde sich selbst seinen "genauesten Bekannten" oft gänzlich verschließen. Herrmann Krigar geht abschließend darauf ein, dass selber auch einen Gesangverein leitet.
Die Charakterisierung des damals 44 Jahre alten Eduard Wilsing wird unberechtigter Weise vielfach in Veröffentlichungen zitiert, obwohl Krigar selber in einem späteren Brief an Schumann von der Offenheit und Freude Wilsings berichtet, dessen Besuch in Düsseldorf ankündigt und, was sich aus dem Zusammenhang ergibt, nicht nur übertreibt, um Schumann zu interessieren, sondern eventuell auch selbst die Chance für eine Aufführung des Werkes in Berlin zu bekommen.
(In der Antwort von Schumann vom 16.3.1853 an Hermann Krigar betont er, dass er keine Verbindung zu einer Redaktion hat, aber das Werk ausführlich lobt und gerne als Musiker alles tun würde, um das Werk zu fördern. So hatte er bereits eine Aufführung in Leipzig angeregt. Dort fand auch die Uraufführung am 29.10.1853 in der Thomaskirche statt.)
Brief vom 18.2.1853
Mittwoch, 23.2.1853
Robert Schumann (Düsseldorf) an August Ferdinand Riccius (Leipzig)
Im Nachsatz zu dem Schreiben an den Dirigenten, Komponisten und Musikpublizisten Riccius (1819-1886) der auch an der Gründung der ersten „Tonkünstlerversammlung“ sowie der Gründung des „Allgemeinen Deutschen Musikvereins“ am 7. August 1861 in Weimar beteiligt war, die von Leipzig ausgehend Auswirkungen auf die Musikszene hatte, schrieb Schumann, der erst am Vortag durch den Brief von H. Krigar vom 18.2. auf das Werk von Eduard Wilsing aufmerksam gemacht wurde:
" Auf ein höchstausgezeichnetes Musikwerk mache ich Sie aufmerksam, das eben erschienen mir gestern in die Hände kam: ein „De profundis“ für vierfachen Chor von Wilsing in Berlin; es ist die tiefste Satzkunst, die mir seit lange vorgekommen; und wie mir scheint von der großartigsten Wirkung."
Es wird darin deutlich, dass ihn das Werk sehr beeindruckt hat.
Mittwoch, 16.3.1853
Robert Schumann (Düsseldorf) an Hermann Krigar (Berlin)
Robert Schumann antwortete Hermann Krigar bereits innerhalb eines Monats und betonte, dass es zu den größten Freuden gehört, die hohe Kunst des Tonsatzes zu finden, die der Psalm überall offenbart, wie man sie nur bei S. Bach begegnet.
In Details lobte er den „musikalischen Meister“ bezeichneten und betonte, dass er eine Aufführung nicht mehr in dem bereits geplanten Rheinischen Musikfest aufnehmen könne. Er munterte dazu auf, eine Aufführung zu realisieren. Er wies auf seine Überlegung hin, den Psalm im Winter in Düsseldorf aufzuführen und informierte, dass er bereits eine Aufführung in Leipzig angeregt habe (Hier fand auch die Uraufführung statt).
Dieses Antwortschreiben von Schumann wurde nach einer Bitte von Hermann Krigar in Zeitschriften veröffentlicht und wurde auch auszugsweise von Robert Schumann in seinem Beitrag „Neue Bahnen“ 23.10.1853 verwendet.
Samstag, 2.4.1853
Hermann Krigar (Berlin) an Robert Schumann (Düsseldorf)
Hermann Krigar berichtet, dass sich Eduard Wilsing über Schumanns Einschätzung gefreut und in „freudige Aufregung“ versetzt habe. Er sei glücklich gewesen und habe einen Plan zu einer neuen noch umfangreicheren Arbeit entworfen. Bei einem Besuch in Düsseldorf würde er sich gerne selber vorstellen. (Der Besuch fand am 6.9.1853 statt.) Krigar bat Schumann, seinen Brief in Druck geben zu dürfen.
(Krigar wies in seinem Schreiben vom 27.4.1853, also nur 3 Wochen später, darauf hin, dass Schumanns Scheiben bereits für mehrere Zeitungen benutzt worden sei und auch in den nächsten Tagen noch in anderen Journalen veröffentlicht würde.
Er berichtet abschließend von seinen eigenen musikalischen Aktivitäten ein und schlägt Schumann ein Gedicht von „N. Vogel“ zur Vertonung vor, dessen Text er dem Brief beifügt.
Die Ausführungen von Krigar machen deutlich, dass Eduard Wilsing nicht so zurückgezogen lebt, wie der ihn in seinem ersten Schreiben vorgestellt hat, ihn durchaus über seine weiteren Pläne informierte und darüber hinaus auch einen persönlichen Besuch bei Schumann in Düsseldorf vorgesehen hat. Auch der Hinweis auf die eigenen Pläne verweisen auf sein Eigeninteresse.
Brief vom 2.4.1853
Mittwoch, 27.4.1853
Hermann Krigar (Berlin) an Robert Schumann (Düsseldorf)
Hermann Krigar bezieht sich in dem Brief auf den von Robert Schumann ihm zwischenzeitlich zugegangenen (bisher nicht bekannten) Brief in dem die Zustimmung zur Veröffentlichung Schumanns Brief vom 23.2.1853 enthalten war. Er teilte mit, dass der Brief bereits für mehreren Zeitungen benutzt wurde und in den nächsten Tagen noch in anderen Journalen erscheinen würde.
Zu Schumanns Anregung zur Psalmvertonung „De profundis“ einen Klavierauszug zu erstellen, äußerte er, dass dies nicht vorgesehen sei, wohl aber die Chor und Solostimmen schon gestochen seien.
Nachdem er auf aktuelle Aufführungen in Berlin eingeht, fragt er abschließend nach, ob er Schumann bald mal in Berlin begrüßen könne.
Mit diesem Austausch endet der Kontakt zwischen Krigar und Schumann.
Brief vom 27.4.1853