Briefe von Eduard Wilsing an seine Schwester Adeline de Jung, geb. Wilsing
Seine jüngste Schwester, mit der er nie im Familienhaushalt gelebt hatte, war für ihn die Verbindung zu seiner Familie und gleichzeitig eine enge Vertraute.
Brief vom 16.11.1843 an Adeline Wilsing
Es wird in diesem ersten erhaltenen Brief deutlich, dass es bereits eine frühere Korrespondenz gab. Eduard Wilsing empfiehlt seiner Schwester die eigenen Briefe zur Verwahrung auch abzuschreiben. Daraus ist ersichtlich, dass die gesamte Korrespondenz von ihm verwahrt wurde. Er ist glücklich den Kontakt zu ihr zu haben, das die 17jährige Schwester nach dem Tod der Mutter dem Haushalt führt. Er erwartet den Besuch des "berühmtesten hiesigen Musikverlegers", berichtet von der Abschrift von Noten, u.a. dem bisher nicht auffindbaren Trio für Blasinstrumente empfiehlt das Führen eines Tagebuches nach dem Spruch: "Das Gute und Schöne, was du heute erlebtest, halte fest, denn du weißt nicht, was dir der morgende Tag bescheren wird, und so spare weise in der Zeit, damit du in der Noth habest."
Brief vom 10.1.1844 an Adeline Wilsing
Anlass für den Brief ist die Bitte um Weiterleitung des beigefügten Briefes an die Großmutter Sophia Preller, die seit dem Tode ihres Mannes auch in Hörde lebt. Eduard Wilsing hat den Brief von Prof. Georg Andreas Gabler, ein Verwandter Wilsings späterer Ehefrau Clara Hitzig. Er hatte als Nachfolger den Lehrstuhl für Philosophie seines Lehrers Georg Friedrich Wilhelm Hegel inne, war früher Hauslehrer bei Schiller in Weimar. Bei ihm studierte und promovierte Karl Marx, der durch ihn zum "Hegelismus" kam.
Inhaltlich betont er seine Verbundenheit mit seiner Schwester mit einer (nicht bekannten) schmerzlichen Erfahrung und betont seine Liebe zu ihr.
Brief vom 25.1.1844 an Adeline Wilsing
In dem 18seitigen Brief, der in der Zeit zwischen dem 25.1. und 8.4.1844 entstanden ist, geht er auf seinen Gesundheitszustand ein (Schnupfenfieber und Lebererkrankung) und beklagt vor allem die Einsamkeit und Ferne von ihr und der Familie aus. Angesichts der von der Königlichen Intendatur ausgeschriebenen Tantiemenregelung erwartet er auch vergleichbare in anderen Städten und berichtet, dass ihm für eine Oper bereits ein Operntext versprochen worden sei, so dass er, wenn sein Werk aufgeführt würde, finanziell gesichert sei. (Diese Absicht kann er jedoch nicht realisieren.)
Er dankt seiner Schwester auch für die zugeschickten Socken als einen Liebesbeweis.
Brief vom 16.7.1844 an Adeline Wilsing
In seinem 27seitigen Brief antwortet er auf zwei Briefe seiner Schwester und berichtet, dass ihn zwei Krankheitswellen erschüttert haben, so dass er den Tod fürchtete. Er reflektiert seine zwischenzeitlichen familiären Erfahrungen und stärkt seine Schwester im Rahmen seiner Bruderliebe auch mit den Anforderungen im Pfarrhaus (u.a. eine Rattenplage) umzugehen. Er geht scheinbar auf eine Andeutung ein, dass es seine Schwester Bertha mit Ihrem Ehemann "dem Pellinghoff" nicht leicht habe. Innerhalb des Briefes notiert er das Märchenfragment "Hafed und Mirzala" (Erläuterungen) und geht davon aus, dass er aus Zeitgründen nicht weiter gekommen sei, sie es aber zu Ende führen könne und "herausgrübeln und herausfühlen kann, "da unser eigenes Leben selber einem Mährchen voller Zeichen und Wunder gleich." Er erinnert an seinen Besuch von vor einem Jahr und beabsichtigt aus Sehnsucht übers Jahr wieder bei ihr zu sein. (Ein Reise von ihm im kommenden Jahr ist nicht bekannt.) Er bestellt auch ausdrücklich Grüße an seinen Vater, die Großmutter, die Tante und "alle".
Brief vom 14.12.1844 an Adeline Wilsing
Eduard Wilsing antwortet mit dem über 13 Tage hinweg entstandene Schreiben auf mehrere Briefe seiner Schwester, die scheinbar Vorwürfe an ihn enthalten haben. Er beschreibt, dass er auf die vielfältigen angesprochenen Aspekte eingehen will (die jedoch nicht detailliert genannt werden.) Auf seine tiefe Beschäftigung mit einem Werk (dem Oratorium "De profundis" mit dem er nach dem gescheiterten Opernprojekt jetzt ein religiöses Thema aufgreift) weist er hin und beschreibt die Maxime seines Wirkens:
"So hat der Mensch nur dann unter Menschen Werth, wenn er für die Menschen wirkt, wie der Geist des Einzelnen, der sich dem Ganzen tatkräftig hingibt."
Er beschreibt detailliert sein tägliches Arbeitspensum und "beichtet", dass eine Sonderbarkeit sein Selbst bestimmt: Heftiges Temperament und feurige Leidenschaften, aber äußerst ruhigen und langsamen Verstand. Dies fasst er so zusammen:
"Ich empfinde rasch, denke langsam und rede und schreibe noch langsamer."
Mit zwei Bitten endet der Brief: Dem Vater den Tabak geben, den er von einem "einflussreichen Banquier" erhalten hat und dem Vater und Bruder Wilhelm (Lehrer in Schüren) die Übstücke weiterzuleiten, die er im Laufe seiner Unterrichtsmethode verwendet (von Czerney, Aloys Schmidt, Muzio Celmenti).
Brief vom 20.6.1847 an Adeline Wilsing
In den 4 Seiten des unvollständig erhaltenen Briefes tröstet Eduard Wilsing, die ihm von traurigen Ereignissen berichtet hatte. Er ermuntert seine Schwester, weist auf ihre Stärke hin und tröstet auch damit, dass er selber trübe und heitere Lebenserfahrungen gemacht habe. Kraft, Frische und Zuversicht möge ihr Gott geben. Er verweist auf Herder mit dem Ausspruch:
"Gebt mir einen großen Gedanken, dass ich mich erquicke."
Er drückt auch seine Enttäuschung darüber aus, dass sein älterer Bruder Gustav hätte unterrichten müssen zu dem es durch dessen Besuch in Berlin von ihm zu erwarten war.
Brief vom 25.8.1850 an Adeline de Jung, geb. Wilsing
In dem wenige Tage vor Adelines Hochzeit (3.9.1850) verfassten Brief, den die 24Jährige vermutlich noch vor der Hochzeit mit Wilhelm August de Jung, der auch das Lehrerseminar in Soest besucht und in Hörde als Lehrer tätig war, erhielt, verweist Eduard Wilsing darauf, dass ihre "unbeschwerte" Jugendzeit endet und sie sich nun in Liebe der Aufgabe als "Weib" zu widmen habe. Der Brief scheint auch als eine Beendigung der innigen Beziehung von Eduard zu seiner Schwester zu sein. Dass Adeline zum Zeitpunkt der Hochzeit im 8. Monat schwanger war.
Brief vom 18.7.1851 an Adeline de Jung, geb. Wilsing
Auf den am 16.7. von Adeline geschriebenen Brief antwortet Eduard Wilsing bereits am 18.7.1851. Er nimmt die angebotene Patenschaft für die am 22.6.1851 geborene Tochter Malvine an und entschuldigt sich, dass er zu der bereits am 20.7. terminierten Taufe nicht kommen kann. Er dankte ihr für ihr Interesse an seinen "Angelegenheiten" und betonte, dass sich endlich Bahnen geöffnet haben, die einen befriedigenden Wirkungskreis ermöglichen können. Daher müsse er sich konzentrieren:
"In der Erfüllung meines Berufes sehe ich die Erfüllung meines Lebens, alles übrige bleibt untergeordnet."
Abschließend berichtet er, dass er die für "Mathilde" ausgerichteten Grüße nicht unmittelbar übermitteln kann, da er sie jetzt nur sehr selten sieht. (Es könnte sich um die Portrait- und Landschaftsmalerin Mathilde Wurl (1825-1887) handeln.
(Eduard Wilsing hatte 1850 etliche Lieder und Chorwerke geschaffen und auch die Preußische Akademie der Künste hatte sein Oratorium "De profundis" inzwischen positiv beurteilt.
Brief vom 20.11.1853 an Adeline de Jung, geb. Wilsing
In dem 7 Seiten langen Brief, der erst 2 Jahre nach dem zuvor bekannten geschrieben wurde, antwortet er auf ein unbekanntes Schreiben seiner Schwester, in der sie sich irritiert über die Uraufführung seines Oratoriums De profundis am 29.10.1853 geäußert haben muss.
Eduard Wilsing geht auf diesen Aspekt aber nicht unmittelbar ein, sondern beschreibt ausführlich über die Reise, die er mit seinem Wuppertaler Freund, dem Arzt Dr. Rudolf Jacobi über mehrere Wochen unternommen hatte und über Düsseldorf, Köln, Bingen, Kreuznach, Ingenheim, Elberfeld geführt hatte. Alleine reiste er nach Düren, Hagen, Altena. Während der Reise fand eine Besuch bei Schumann in Düsseldorf statt. Dabei erschienen ihm die Bekanntschaften mit Malern wegen ihres "tieferen geistigen Strebens" interessanter als die Begegnung mit Robert Schumann.
Zu den von Adeline angesprochenen "gewissen Leipziger Vorfällen" ging er auf die kritische Berichterstattung zu der Uraufführung seines Oratoriums "De profundis" ein. Die Vorbereitung und geistige Haltung sei ungenügend gewesen, so dass die Menschen nicht sein Werk, sondern Lärm gehört hätten. Die Aufführung sei ohne seine Zustimmung und Mitwirkung erfolgt und der Bericht in der Zeitung sei von einer Partei, die alles bekämpft, was nicht in ihre Richtung passt, Wagner zum Beispiel. Einen Brief mit dem Lob einer Dame, die den "gebildetsten" Schichten Leipzigs angehört, fügte er zu Kenntnis bei und verwies auf eine in Berlin geplante Aufführung.
Wie sehr aktuelle Entwicklungen Auswirkungen auf sein Leben und Lebensgefühl hatten, wird daran deutlich, dass er die Rückreise nach Berlin hinauszögerte, da dort gerade eine der 13 Choleraepidemien gasierte.
Brief vom 3.8.1854 an Adeline de Jung, geb. Wilsing
Auf einen ausführlichen Brief seiner Schwester geht er - etwa 1 Jahr nach dem letzten bekannten Brief -mit Hinweisen auf familiäre Entwicklungen ein und betont, dass er sich auf seine Arbeit konzentrieren muss und daher von Reiseplänen absehen muss. Einige Versprechen, die ihn gefördert hätten, seien nicht erfüllt worden. Inzwischen würde er "fortwährend anerkennende" Zuschriften für sein Oratorium "De profundis" erhalten. Die bedeutendste sei von Alexis von Lwoff erfolgt, russischer Violinist, Komponist, Direktor der Hofkapelle in St. Petersburg, Komponist der Nationalhymne, der das Werk in Petersburg aufführen will.
Brief vom 12.3.1855 an Adeline de Jung, geb. Wilsing
Der Befassung mit diesem Brief galt eine besondere Aufmerksamkeit, da in bisherigen Beschreibungen kritisch angemerkt wurde, dass er keine Werke mehr geschaffen und sich Zeichen einer geistigen Erkrankung und entsprechender Zurückgezogenheit abgezeichnet hätten.
Eduard Wilsing und Clara Hitzig hatten sich 4 Tage vor Abfassung des Briefes verlobt.
Über Ludwig Berger hatte Eduard Wilsing in dieser Zeit Kontakt zu bedeutenden Wissenschaftlern gefunden, die teilweises auch zum Verwandtenkreis der Familie Hitzig gehörten: Bernhard Klein, Musikforscher, Dr. Siegfried Dehn, Kurator der Königlichen Bibliothek, Wilhelm Johann Albrecht Agthe, Leiter eines Musikinstitutes, Carl Ritter, Mitbegründer der wissenschaftlichen Geographie, Wilhelm Dove, Begründer der wissenschaftlichen Meteorologie, Georg Ermann , Geowissenschaftler, Dr. Franz Kugler, Kunsthistoriker.
Eduard Wilsing wies am Ende darauf hin, dass er nicht wisse, wo ihm der Kopf steht. Er hatte eine Vielzahl von Werken geschaffen und war von Robert Schumann in seinem Beitrag "Neue Bahnen" als "hochaufstrebender Künstler" bezeichnet worden.
Aus dem Nachsatz des Schreibens, dass seine Verlobte, Clara Hitzig, die Familie "Hösch" in Düren kennen, wo Adeline inzwischen mit ihrer Familie lebt, ergibt ein Bezug zu den Familien Hösch in Düren und so auch zu Eberhard Hoesch, der am 1.9.1871 in Dortmund mit der Errichtung der Westfalenhütte das Eisen- und Stahlwerk Hoesch schuf, das zwei Jahre später zur Hoesch AG umfirmierte.
Brief vom 10.10.1855 an Adeline de Jung, geb. Wilsing
Eduard Wilsing weist auf die am 17.10. geplante Hochzeit mit Clara Hitzig hin, die in der Wohnung des Schwagers, durch den Bruder Gustav (Hofprediger in Stargard) eingesegnet werde soll. Er teilt die neue Adresse in der Puttkammerstraße 16 mit.
Brief vom 9.2.1856 von Eduard und einem Anhang von Clara Wilsing, geb. Hitzig an Adeline de Jung, geb. Wilsing
In dem ersten Brief nach der Heirat mit Clara Hitzig weist er darauf hin, dass er aus verschiedenen Gründen keine Zeit für einen Brief an Adeline gefunden habe. Das Unwohlsein seiner Frau in der Schwangerschaft, die Arbeit an einem großen neuen Werk (Oratorium Jesus Christus) und die "fortwährenden" Besuche der großen Verwandtschaft (der Familie Hitzig/Itzig/Mendelssohn) die "theils zu machen u. theils auszuhalten waren" hätten ihn davon abgehalten. Zusätzliche Verpflichtungen ergeben sich, da die Schwiegermutter mit im Haushalt lebt. Er fragte nach der Situation von Familienmitgliedern und betont, dass seine Frau gerne nach Westfalen reisen würde, um auch sie kennenzulernen.
In dem beigefügten Brief von Clara an Adeline drückt sie die Hoffnung aus, dass sie nach ihrer Erkrankung die Gelegenheit hat, sie mal zu sehen. (Adeline hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 4 Kinder. Sie bekam noch 5 weitere. Zu einem Zusammentreffen kam es nie.)
Brief vom 6.12.1856 an Adeline de Jung, geb. Wilsing
Eduard Wilsing reagiert auf einen Brief seiner Schwester vom 3.12.1856, in dem er wohl auf einen Vorhalt des Ehemannes von Adeline reagiert, der von Eduard Wilsing ein größeres Engagement im Hinblick auf das Wohlergehen der Tante hätte leisten können, die scheinbar im Haushalt der Eheleute in Düren lebt. Bei der Tante könnte es sich um Er legt dem Schreiben einen Brief für die Tante bei und bittet Adeline diesen vorzulesen und spricht an, dass er bei dringendem Bedarf nach Düren kommen würde. Abschließend übermittelt er Grüße seiner Frau. Bei der Tante handelt es sich um vermutlich um die Ehefrau des Bruders des Vaters, Johann Friedrich Wilsing, Elisabeth Wilsing, geb. Löhnis. Die Eheleute hatten im Rheinland gewohnt, zumal der Ehemann in Köln gestorben war. Elisabeth Wilsing war bereits seit dem Jahr 1824 Witwe. Die Reaktion von Eduard Wilsing könnte im Zusammenhang damit stehen, dass sein Vater vor 3 Monaten, am 21.9.1856, verstorben war.
Brief vom 21.6.1859 von Eduard Wilsing und Clara Wilsing, geb. Hitzig an Adeline de Jung, geb. Wilsing
Auf mehrere Briefe seiner Schwester hat Eduard Wilsing bisher nicht reagiert. Nach 2 1/2 Jahren beschreibt er, dass er sich nicht wohl gefühlt habe, aber die innere Verbundenheit weiterhin besteht und sie nach dem Besuch ihres Mannes in Berlin informiert sei. Er entschließt sich jetzt zu antworten, zumal es ihm wieder besser geht. Er berichtet über die Entwicklung des inzwischen 3jährigen Sohnes Johannes und wünscht wieder mehr von seinen Geschwistern zu hören.
Clara Wilsing schrieb, dass es Eduard im Winter "wenig gut" ging, so dass auch ihr die Lust verging, die Feder anzusetzen. Ein mehrwöchiger Besuch von Dr. Rudolf Jacobi in Berlin habe ihm gut getan, so dass er Anregungen für die Fortsetzung der Arbeiten (wohl am Oratorium Jesus Christus) erhalten habe. Eine Reise von Eduard nach Düren wird angesprochen. Clara betont, dass Verpflichtungen gegenüber ihrem Sohn und ihre Mutter sie "an das Haus fesselt". Für die Geschenke bedanken sich Beide. Clara legt dem Schreiben Teltower Rübchen bei (eine besondere Form der Speiserübe, gleichzeitig scharf und süß schmeckend).
Brief vom 25.7.1861 an Adeline de Jung, geb. Wilsing
Während einer Reise, die Eduard Wilsing über Elberfeld, wo er seinen Freund, Dr. Rudolf Jacobi, besuchte, erhielt dort einen Brief seines Bruders Wilfried, die ihn zu einem mehrwöchigen Aufenthalt auch nach Düren führen sollte, teilt er seiner Schwester mit, dass er wegen des plötzlichen Todes seiner Schwiegermutter, Julie Gardemin, am 8.7.1861, die auch im Haushalt der Familie lebte, nach Berlin zurückreisen musste, zumal der Verlust für seine Frau, die mit ihrer Mutter so "verwachsen war, als hätten die beiden nur eine Seele gehabt", sehr schmerzhaft gewesen sei. Er wünscht Wilfried, der in der Zeit als Apotheker an der Übernahme einer eigenen Apotheke in Aplerbeck interessiert war, alles Gute. Dass zwischen den Mitgliedern der Familie ein reger Austausch stattfand, wird daran erkennbar, dass die Kenntnis über seinen Aufenthalt in Elberfeld von einem Schwager, der in Münster tätig war, wohl "ausgeplaudert" wurde.
Brief vom 4.1.1876 an Adeline de Jung, geb. Wilsing
Nach einer großen zeitlichen Lücke war dieser Brief von großem Interesse im Hinblick auf die Frage, nach der zwischenzeitlichen Situation, zumal in den Jahren 1862 bis 1879, als es um die Mitgliedschaft in der Preußischen Akademie der Künste ging, keine dokumentierten Aktivitäten von Eduard Wilsing - bisher - bekannt sind.
Es müssen jedoch weitere Kontakte innerhalb der Familie bestanden haben, zumal er in dem Brief auf Neujahrsgrüße und eine Karte des inzwischen 26jährigen Hugo de Jung eingeht.
Er äußert das Interesse an jeder weiteren Nachricht.
Er beschreibt, dass sein Geist frisch und sein Herz jung sei, aber ihn "Stürme" und "Unwetter" belasten.
Damit könnten Ereignisse für ihn von Bedeutung gewesen sein, über die er über seine Kontakte und Berichterstattungen informiert war. (1859 - "Sardinische Kriege", Schlacht von Solferino; die von Bismarck initiierten 3 Einigungskriege 1864 - Schleswig, 1866 - Königgrätz, 1870/71 - Frankreich).
Brief vom 19.8.1878 an Adeline de Jung, geb. Wilsing
Eduard Wilsing reagiert kurzfristig auf das Schreiben seiner Schwester und teilt ihr mit, dass er ihre Tochter, die mit der Bahn nach Berlin und von dort weiterreist, nicht treffen kann, da er erkältet sei und sich wieder melden würde, wenn es ihm besser geht.
Brief an Adeline de Jung, geb. Wilsing
nach dem 19.8.1878
In dem Brief an seine Schwester, auf dem in der vorliegenden Fassung das Datum nicht zu erkennen ist, geht Eduard Wilsing auf Briefe ein, in denen Adeline scheinbar über die Entwicklungen ihrer Kinder berichtet hatte.
Er befasst sich dabei mit den Kindern und geht ausführlich und eindringlich auf die Herausforderungen ein, die sich der Tochter Maria stellen, falls sie sich tatsächlich entschließen sollte, Musikerin zu werden. (Sie war später als Klavierlehrerin tätig.) Er beschreibt, dass es ihm nach einer überstandenen Erkrankung jetzt erst wieder besser gehe. Er bedauerte, dass er die Tochter Auguste während ihrer Durchreise in Berlin nicht sehen konnte. (Auguste ist die Tochter, die durch die Heirat mit Otto Griebener und dann über die Tochter Helene die Wilsing-Briefe gesichert hat und so Hermann Hebbel erreichten.)
Brief vom 10.7.1884 an Adeline de Jung, geb. Wilsing
Für die Zeit zwischen 1878-1884 liegen keine Briefe vor. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es in den 6 Jahren Kontakte gab. So ist dieser Brief mit dem Dank für eine überraschende und erfreuliche „Sendung“ als entsprechender Hinweis dafür anzusehen. (Eventuell enthielt die Sendung einen Kuchen, so wie ihn Adeline bereits zuvor schon mitgeschickt hatte.)
In der Sendung muss der Hinweis beigefügt gewesen sein, dass ein ausführlicherer Brief folgt, zumal ein Antwortschreiben von Eduard Wilsing ist bereits mit dem Datum vom 8.8.1884, also etwa 4 Wochen später, bekannt ist.
Er wies darauf hin, dass er von sich nur wenig mitteilen kann. Er benötige für die Arbeit alle Kraft, die „strengste Konzentration“, und ertrage die „alten Leiden“. Er kündigte an, dass er nicht wisse ob und wann er wieder antworten könne. Dass wissen nur die „Götter“.
(Zu dieser Zeit müsste Eduard Wilsing intensiv an dem Oratorium "Jesus Christus" gearbeitet haben, dessen erste beiden Teile bereits in Auszügen 1888 von Arnold Mendelssohn aufgeführt wurden.)
Er grüßte abschließend Adelines Mann und bedankte sich auch für das Schreiben der ältesten Tochter, Malwine (33 Jahre).
Brief vom 8.8.1884 an Adeline de Jung, geb. Wilsing
Eduard Wilsing ging sehr ausführlich auf das angekündigte Schreiben seiner Schwester ein und befasste sich darin mit der Situation ihrer Familie. Dies, obwohl er noch einem Monat zuvor angekündigt hatte, dass er nicht wisse, ob und wann er wieder antworten könne.
Er wünscht der Tochter Alvine, die sich als erste Kind der Eheleute de Jung verlobt hat, alles Gute und freut sich mit seiner Schwester, die auf die Freuden einer Großmutter zugehe. (Alvine ist jedoch kurz nach der Geburt der Tochter, 14.1.1866, am 4.2.1886 verstorben. Er geht auf die Situation des Sohnes Wilhelm ein, der ein Gnadengesuch an den Kaiser gerichtet hatte, zumal er mit dem Gesetz in Konflikt geraten war und später in die USA auswanderte.
Brief vom 1.7.1889 an Adeline de Jung, geb. Wilsing
Eduard Wilsing wendete sich an seine Schwester, da nach einer unsäglich trübe verlebten Zeit den Kontakt wieder aufnehmen will.
Anlass scheint gewesen zu sein, dass geht er gehört hat, dass sie, ihr Mann und die Tochter Maria, die Aufführung der ersten beiden Teile des Oratoriums "Jesus Christus" am 22.6.1889 in der Beethovenhalle in Bonn unter der Leitung von Arnold Mendelssohn miterlebt haben.
Arnold Mendelssohn hat vermutlich Eduard Wilsing über den Besuch aus Düren informiert.
Er vermutete, dass seine Schwester "gräulich entsetzt" über die fürchterlichen Dinge war, die sie zu hören bekam und erschrocken über das Verhalten der Zuhörerschaft, so dass er von ihr gar ein "lamentables" Beileidsschreiben erwartete. Er fürchtete, dass Sie von ihm nichts mehr wissen will. Er hoffte aber, dass sie ihn weiter respektiere. Er bleibe weiterhin ihr treuer Bruder.
Es ist nicht erkennbar, welche Erfahrungen Adeline bei dem Konzertbesuch gemacht hat, zumal de Bericht in der Kölnischen Zeitung vom 1.7.1889 von einer begeisterten Zuhörerschaft berichtet wurde.
Brief vom 18.5.1891 an Adeline de Jung, geb. Wilsing
In der Beantwortung eines Schreibens seiner Schwester drückt er seine brüderliche Anteilnahme dazu aus, dass es ihren Familienmitgliedern recht befriedigend geht. Unter Bezugnahme auf die am 19.4.1891 in Bochum erfolgte Uraufführung des gesamten Werkes drückt er seine Freude aus, dass das Werk "überraschend freundlich" aufgenommen wurde und Arnold Mendelssohn eine Aufführung in "Cöln" beabsichtigt. Er bat Adeline, die nach Westfalen reisen wollte, Grüße von ihm auszurichten und ging abschließend darauf ein, dass er von sich selber "nicht viel zu sagen" habe, seine Gesundheit erträglich sei und im Übrigen an "schwierigen und verwickelten Vorarbeiten zu meinem neuen großen Werke" sitze. (Dies ist er erste Hinweis darauf, dass er nach dem Abschluss der Arbeiten zum Oratorium "Jesus Christus" im September 1890 an einem neuen Werk arbeitet, dessen Titel er in einem Brief an Arnold Mendelssohn später "Gott allein die Ehre“ nennt.
Brief vom 2.1.1892 an Adeline de Jung, geb. Wilsing
In dem letzten bisher bekannten Schreiben von Eduard Wilsing an seine Schwester, 16 Monate vor seinem Tod, antwortet er auf die Neujahrsgrüße und dankt für die Übersendung eines Kuchens. Er äußerte sein weiteres Interesse an der Entwicklung ihrer Familie und bat um weitere Nachrichten. Zu sich selber berichtete der 82jährige Eduard Wilsing, dass er sich in einer "mäßigen" Lebensweise zufrieden fühlt, froh ist, wenn er sich in "abgeschlossener Stille und Einsamkeit seinen Arbeiten hingeben" kann und von "thörichter Einbildung" verschont sei, die vielen Menschen das Leben verbittere.
Die Zeilen vermitteln den Eindruck, dass Eduard Wilsing mit dem, was ihn jetzt ausmacht, zufrieden ist.