Sonstige Belege
Die nachfolgenden Belege zeigen auf, in welchem Umfang Eduard Wilsing in dem "Musikgeschäft" eingebunden war und wie er sich für die Veröffentlichung in Musiklexika beschrieb.
16.11.1852
Ausgefüllter Fragebogen, Anlage zu einem Schreiben an Moritz Bermann vom 16.11.1852, Wien
Mit dem von Moritz Bermann zur beantwortenden Fragebogen war vermutlich die Herausgabe eines biographischen Lexikons beabsichtigt. Eine Veröffentlichung ist nicht bekannt. Eduard Wilsing beschrieb sein Leben und Werk in wenigen und bescheidenen Zügen. Beachtlich ist dabei, dass er darauf hinwies, "dass mein sämtliches Wissen u. Können das Resultat eigener selbstständiger Forschung u Arbeit ist." Er also nie Kompositionsunterricht erhalten habe. Zudem berichtete er von "einigen" geschaffenen Liedern und Sonaten, betonte aber, dass seine "eigentliche künstlerische Laufbahn ist erst in neuester Zeit durch die Vollendung des 129 Psalms „De Profundis“ eröffnet" worden sei.
Zu Ende führt er aus: "Schließlich bemerke ich, dass ich zur Zeit an einem großen Oratorium „Christ, der Erlöser“ arbeite." Dabei handelt es sich um das spätere Oratorium "Jesus Christus", dass er im Jahr 1890 fertigstellt und 1891 mit allen 3 Teilen uraufgeführt wird.
Unabhängig von der konzentrierten Darstellung für das Lexikon ist seine Beschreibung als sehr zurückhaltend anzusehen. Tatsächlich hatte er bis dahin bereits Werke bis zur Opuszahl 12 geschaffen, darüber hinaus eine Sinfonie komponiert, etliche Liedkompositionen veröffentlicht, wie die Hebräischen Lieder, Gesänge für tiefe Stimme. Zu seinen Werken gehörte zudem eine Sonate für Pianoforte und Violine, mehrere Messen mit Orchesterbegleitung, eine Ouvertüre zum Schauspiel „Iphigenie“ von J.W. von Goethe, die Ouvertüre zu Fidelio von L. v. Beethoven für Klavier zu 4 Händen, mehrere Klavierauszüge zu Händels „Der Messias“ u.a. in der Londoner Fassung von W.A. Mozart und zu weiteren Mozart-Werken, wie die Zauberflöte, Ouvertüre zu Don Juan, Figaro und einige seiner Sonaten. Zudem hatte er Werke seines erkrankten Lehrers, Ludwig Bergers, vervollständigt und in seinen „Studien zur Theorie der Musik“, fertig gestellt 1833, in denen er sich mit Kontrapunkt und Generalbass in einer mehr als 500 Seiten umfassenden Handschrift mit 50 Seiten Musikbeispielen befasste, Bachs Kunst der Fuge zitierte.
15.6.1853
Quittung an die Schlesingentsche Buchhandlung Berlin
Die Buchhandlung war der Vorläufer des Verlages Schlesinger, Paris, der im Jahr 1853 auch das Oratorium De profundis veröffentlicht hatte, für die Bearbeitung des vollständigen Klavierauszugs Messias von Händel, eine Umarbeitung der
Iphigenie in Tauris von Gluck
für die Arie aus
Petrus von C. P. E. Bach
und für die Correctur der Musica sacra No. 1 – 38
Mit der Quittung bestätigte er, dass er von der Schlesingentschen Buch u. Musikhandlung für die Bearbeitung des vollständigen Klavierauszuges des Messias von Händel, für die Umbearbeitung der Arie aus Petrus von C.P.E. Bach für eine Altstimme und für die Korrektur der Musica sacra, No. 1 – 38, insgesamt 76 1/2 Thaler erhalten hatte. (In Kaufkraftäquivalenten des Jahres 2022 rd. 2.600 Euro)
Eduard Wilsing hatte bereits im Jahr 1841 einen Klavierauszug mit dem Titel „Der Messias: Oratorium mit deutschem und englischem Texte / componiert von G.F. Händel nach der Mozart’schen Benutzung der Londoner Partitur neu eingerichtet, der 1842 im Verlag Bote & Bock erschien. Auch eine weitere Fassung wurde bei Bote & Bock 1962 veröffentlicht.
Bei der Arie handelt es sich um einen Teil aus dem bei Bote & Bock erschienen Klavierauszug zur Matthäus-Passion.
Die "Musica sacra" war eine umfangreiche Sammlung von Werken alter Musik, die Gustav Wilhelm Teschner (* 26. Dezember 1800 in Magdeburg; † 7. Mai 1883 in Dresden) zusammengetragen hatte. Er wirkte ab 1824 am Königlichen Institut für Kirchenmusik in Berlin.
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